Gesprächsstoff - Berner Podcast von BZ und Der Bund

Sexuelle Gewalt: Berner Besetzerszene scheitert mit Selbstjustiz

Episode Summary

Auf einem Wagenplatz in Bern wollte ein linksautonomes Kollektiv sexuelle Übergriffe ohne Polizei intern aufarbeiten. Warum sich weder Besetzerszene noch Stadt oder Politik konkret äussern.

Episode Notes


Auf einem Wagenplatz in der Berner Besetzerszene ist es offenbar zu einem sexuellen Übergriff gekommen. Anstatt zur Polizei zu gehen, hat das linksautonome Kollektiv daraufhin im Sommer 2025 versucht, den Fall intern aufzuarbeiten – nach dem Konzept der sogenannten transformativen Gerechtigkeit.

Der mutmassliche Täter soll jedoch rückfällig geworden sein und eine Vergewaltigung begangen haben. Er wurde vom Wagenplatz ausgeschlossen und tauchte offenbar in Deutschland unter. Das Kollektiv hat ihn daraufhin mit seinem Rufnamen öffentlich an den Pranger gestellt.

Warum hat man sich auf dem Wagenplatz zu diesem Vorgehen entschieden und den mutmasslichen Täter in Schutz genommen? Was versteht man eigentlich genau unter einem transformativen Aufarbeitungsprozess und wo bleibt dabei der Opferschutz? Und warum werden über 80 Prozent der Vergewaltigungen nicht der Polizei angezeigt?

In einer neuen Folge vom Podcast «Gesprächsstoff» erzählen die beiden Redaktoren Kaspar Keller und Simon Wälti aus dem Ressort Bern von ihrer Recherche. Von einem Umfeld, das nebst Polizei und Staat auch kritisch gegenüber Fachstellen und Medien ist.

Von einigen lokalen und nationalen Politikerinnen und Politikern, die sich gegen sexuelle Gewalt an Frauen einsetzen, sich aber auf Anfrage der Redaktion nicht zum Fall geäussert haben. Und von den vielen offenen Fragen zu Opfer- und Täterschutz bei der transformativen Gerechtigkeit.

In dieser Podcastfolge zu Wort kommt auch Ineke Pruin. Sie ist Professorin am Institut für Strafrecht und Kriminologie an der Universität in Bern und Expertin für Restorative Justice im Strafverfahren und für Fragen des Opferrechts.

Moderation und Produktion: Sibylle Hartmann

Gäste: Kaspar Keller und Simon Wälti

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